Das ist die Geschichte eines Urlaubs mit Höhen und Tiefen, eines Urlaubs mit vielen Erkenntnissen über Menschen und Tiere, und eines Urlaubs, aus dem wir zur Abwechslung mal nicht nur völlig erholt und entspannt zurückkehren, dafür aber mit der Gewissheit, dass Vieles möglich ist, was man anfangs für unmöglich hält.
Alles beginnt mit unserem Sommerurlaub in Premantura, das liegt am südlichen Ende von Istrien in Kroatien. Unsere Unterkunft ist ein kleines Appartement, umgeben von einem traumhaft schönen Garten.
Es dauert nicht lange bis wir die tierischen Bewohner dieses schönen Plätzchens kennen lernen: etwa 200 Mücken und vier kleine halbstarke Katzen. Gegen die Mücken können wir uns wehren, aber die vier kleinen Racker haben unsere Herzen in kürzester Zeit erobert. Ihre „Homebase“ scheint ein kleiner Holzstapel am Rande des Anwesens zu sein. Dort sind sie meistens anzutreffen, hier finden sie Unterschlupf. Wir verbringen also die Tage unbekümmert am Meer; die Abende und die Frühstücke teilen wir mit den Katzenjungen.
Bereits nach kurzer Zeit zeigen sich ihre Charaktere und Wesensmerkmale:
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Das ist „Milchauge“: die kleinste und schmusigste der vier Kätzchen.
Sie ist ein schwarzes Weibchen und das linke Auge ist eingetrübt. Es scheint aber nur auf der Hornhaut zu sein, hinter dem Fleck ist das Auge ok. Wir werden den Tierarzt fragen, was man da machen kann. Sie ist total lieb, kommt immer gleich an und will schmusen und schnurrt in einer so tiefen Tonlage, wie man es bei dem kleinen Körper nie vermuten würde.
Gegen die anderen Katzen kann sie sich aber auch gut durchsetzen. Ihr bester Freund ist:
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Morricone:
ein durchgehend grauer Kater, fast wie eine Kartäuserkatze. Sehr hübsches Tier und der größte von allen. Er lässt sich ein bisschen anfassen, steht aber noch nicht so drauf.
Beim Tierarzt war er sehr cool, so wie „Milchauge“. Er passt immer auf sie auf.
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Der 2. Kater ist Teddy, ebenfalls grau, aber mit hellen Mamorierungen.
Er lässt sich auch, zwar noch unwillig, über den Rücken streicheln. Er ist unser Gentleman, weil er immer so zurückhaltend ist und wartet, bis man ihm was gibt.
Den Tierarzt fand er eher doof.
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Die vierte im Bunde (Arbeitstitel: „Klarauge“) ist wieder eine schwarze Katze, aber mit weißem Fleck auf der Brust und 2 gesunden, grünen Augen.
Sie ist die wildeste und mutigste. Selbst dicken Katern setzt sie nach. Sie lässt sich höchstens mal berühren, sonst ist sie uns gegenüber eher zurückhaltend. Ob sie mal zutraulich wird, ist fraglich. Bei Milchauge und den beiden Katern glauben wir das schon.
Beim Füttern ist Klarauge die Fordernste.
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Die Tage gehen ins Land, aber irgendwann wollen wir weiter nach Südtirol, die zweite Hälfte unseres Urlaubs in den Bergen verbringen. Natürlich machen wir uns Gedanken über die Zukunft der Kleinen aber bisher gehen wir davon aus, dass sie der Vermieterin gehören. Die aber sagt uns beim Abschied, dass sie keine Katzen mag, Fremde diese Tiere in ihrem Garten ausgesetzt haben, und sie ihnen notgedrungen (noch) Asyl gewährt.
Wir überlegen, wie wir helfen können, aber im nächsten Internet-Cafe kommt die nächste Ernüchterung: Auf der Website von Urlaubspfoten.de, einem Verein, der sich um herrenlose Tiere in Istrien kümmert, wird uns klar, dass die Zukunft düster aussieht: Herrenlose Katzen und Hunde gibt es viel zu viele dort, die Meisten überleben den Winter nicht, weil sie verhungern oder weil die Grundstücksbesitzer sie erschlagen oder vergiften. Wir telefonieren sogar mit der Hilfsorganisation, aber es wird klar, dass die Tiere nur mit Eigeninitiative zu retten sind.
Also fahren wir nach Pula, die nächste größere Stadt, und sprechen dort mit einem Veterinär der Tierambulanz. Dort rät man uns, die Tiere zu schmuggeln, aber das erscheint uns zu riskant. Im Zweifelsfall kann bei einer Kontrolle die Tötung der Katzen angeordnet werden, das wollen wir nicht riskieren.
Die Fahrt nach Italien ist absolut frustrierend, bei Anke fließen die Tränen und auch ich fühle mich wie ein Verräter: gut genug für´s Urlaubsvergnügen sind die Kleinen, aber dann verdrängt man sie am Besten ganz schnell .... Aber was macht man mit vier jungen Katzen im nächsten Feriendomizil? Auch absolut undenkbar.... Die Denkmaschinen rattern. Am unserem ersten Abend in Toblach telefoniert Anke nochmal mit einer Veterinärin in unserem Heimatort Köln-Langel. Die bestätigt das, was wir bisher wussten: Katzen sind zähe Wesen, die eine oder andere wird auch den Winter sicherlich überleben, das Problem sind eher die „Besitzer“. Wir wollen aber nicht aufgeben (das wäre sicherlich bequemer), und konferieren per E-Mail mit Urlaubspfoten, Veterinären in Kroatien und der Vermieterin unseres Feriendomizils. Eine Woche später kaufen wir zwei Katzentransportkörbe und weiteres “Equipment“, wir brechen unseren Urlaub in Südtirol ab und fahren wieder nach Kroatien. Als wir abends dort eintreffen, sind alle Katzen ausgeflogen, keiner da. Wir laufen die Umgebung ab, mittlerweile regnet es auch, wir finden nichts.
Die Nacht verbringen wir nahezu ohne Schlaf, ein heftiges Gewitter mit Dauerdonnern und Blitzeinschlägen nah und fern tobt und nervt von früh bis spät, obwohl: eher von spät bis früh. Morgens ist zumindest ein Tier da: Teddy ist total ausgehungert, futtert und legt sich erstmal auf Ankes Tasche ab. Anke macht sich auf den Weg und sucht beharrlich weiter. Ist es Zufall oder Schicksal? Sie findet die drei Anderen auf dem nahe gelegenen Campingplatz, lockt sie mit Futter zurück. Das Einfangen geht erstaunlich problemlos: Nassfutter in die Boxen gestellt, die Katzen springen gierig hinterher, Tür zu und fertig. Da der Veterinär in einer halben Stunde Mittagspause einlegen wird, fahren wir sofort los. Der begutachtet die Tiere und schickt uns für die Impfung zur Tierambulanz nach Pula. Dort sind die Ärzte ebenfalls zur schnellen Hilfe bereit: Alle vier Banditen bekommen einen Chip, Impfungen, Entwurmungstabletten und vor allem die notwendigen Papiere, um die Tiere legal in die EU zu überführen. Diese Prozedur lassen Milchauge und Morricone recht gelassen über sich gehen, im Fall von Teddy und Klarauge ist der Arzt dann mehr gefordert, und muss die ganz dicken Handschuhe einsetzen.
Mittlerweile ist es 15 Uhr geworden, dann kommen wir endlich auf die Autobahn Richtung Heimat. Die Grenze passieren wir ohne Probleme, Autos vor und hinter uns werden kontrolliert, wir dagegen nicht. Da wir nur 4 Stunden geschlafen haben sind wir irgendwann völlig fertig. Die Katzen sind es vermutlich auch, verhalten sich nach anfänglichem Protest aber echt cool: Sie verschlafen den meisten Teil der Fahrt. Kurz vor München suchen wir uns ein Motel, checken uns ein, und schmuggeln die beiden Transportboxen ebenfalls mit auf´s Zimmer. Nach weiteren 4 Stunden Schlaf für die Menschen werden die armen Tiere langsam unleidlich. Bevor wir um halb fünf morgens weiterfahren wollen müssen wir die Käfige reinigen. Der Rest der Fahrt wird dann zur echten Strapaze für Mensch und Tier: Im Auto riecht es nicht mehr gut und die bisher so geduldigen Kleinen werden langsam quengelig. Gegen Mittag haben wir es geschafft, die armen Tiere dürfen endlich raus. Besonders beleidigt scheinen sie nicht zu sein, nach einer ausführlichen Reinigungspause will Milchauge schon wieder kuscheln und schnurren und kuscheln. Auch die anderen sind zwar müde, nehmen das Fressen aber gerne an. Jetzt wohnen sie erstmal bei uns und wollen so schnell wie möglich zu neuen Eltern.
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| Manch einer mag uns für verrückt erklären, dass wir diese Unternehmung gestartet haben. Es gibt genug Argumente gegen eine solche Aktion, aber mindestens genau so viele dafür. Aber immer wenn Milchauge in meinen Armen das Schnurren anfängt, bin ich überzeugt, das Richtige zu tun.
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NUN ZUR VERMITTLUNG
Für alle Katzen wäre nach einer Eingewöhnungszeit sicher Freigang gut, Wohnung würde aber wohl bis auf Klarauge auch gehen. Keine der Katzen ist hinterhältig. Sie kratzen nicht und beißen nicht, sie gehen nur weg, wenn sie grad nicht berührt werden möchten. Sie miauen auch kaum. Man muss ihren Background im Kopf haben. Sie wurden früh von der Mutter getrennt und im Garten ausgesetzt, wo sie von Touristen mal etwas zu essen bekommen haben. In unserem Ferienappartement waren sie sehr gerne und es war sehr anrührend zu sehen, wie gerne alle 4 eine feste Anlaufstelle und ein Dach über dem Kopf hätten. Ein schönes Leben halt, wie wir alle es für uns ja auch wollen. Dies war ihnen dort nicht möglich (die Vermieterin hat deutlich gesagt, dass sie sie nicht haben will) und wir hoffen sehr, dass ihnen das hier möglich sein wird.
Wir bitten Euch daher sehr darum, zu überlegen, ob Ihr nicht eine von diesen süßen und bisher nicht mit Glück besehenen Rackern haben wollt, oder gar 2 oder...? Bei uns können sie leider wegen meiner Allergie nicht bleiben, so sehr wir gerne wollten. Im Moment leben sie in unserem Arbeitszimmer, aber das ist natürlich nur kurz möglich. Sie sollen sich ja auch nicht an uns gewöhnen, sondern an ihr neues zu Hause, und das so schnell wie möglich. Alle sind gesund und haben nötigen Impfungen und Papiere, kommenden Montag bekommen sie den medizinischen Checkup bei unserer Veterinärin in Langel.
Anke Daugs, fraudaugs-add-web-punkt-de Günter Schwob, guenter-punkt-schwob-add-netcologne-punkt-de
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Update vom 22.09.2009: Die Kleinen haben sich vorbildlich beim TA benommen! Und heute hat das einst so scheue Klarauge 5 Minuten mit mir geschmust und geschnurrt! Teddy ist leider immer noch sehr scheu. Beide suchen noch liebe Dosenöffner. Milchauge und ihr Beschützer Morricone leben nun bei lieben Freunden in Bonn, wo sie es wirklich gut haben werden.
Update vom 26./27.09.2009: Klarauge, jetzt Klara und Teddy sind ebenfalls gut vermittelt in je eine Doppelhaushälfte mit Garten südlich von Köln. Die Katzen leben also bei Verwandten unter einem Dach, aber in 2 versch. Haushalten.
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